Der Ehrenfeld-Reporter

Wider das Vergessen

23. Juni 2010 · kommentieren

Mahnmal am Bahnbogen in Ehrenfeld

Mahnmal am Bahnbogen in Ehrenfeld

Es tut sich wieder etwas in den Bahnbögen in Ehrenfeld. Doch diesmal hat es nichts mit Club, Musik und Tanz zu tun. Vielmehr geht es darum, dem Vergessen vorzubeugen. Zwar ist 1944 lange her. Doch was damals in Ehrenfeld, in der heutigen Bartholomäus-Schink-Straße geschah, das sollten alle wissen: Die Kölner, die Ehrenfelder, diejenigen, die hier jeden Tag auf dem Weg zur S-Bahn vorbeihetzen und die, die am Wochenende einen Bahnbogen weiter im Club Bahnhof Ehrenfeld feiern. Im Oktober 1944 wurden hier nämlich “elf vom NS-Regime zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Bürger Polens und der UdSSR und [...] 13 Deutsche – unter ihnen jugendliche Edelweißpiraten aus Ehrenfeld sowie andere Kämpfer gegen Krieg und Terror – ohne Gerichtsurteil öffentlich durch Gestapo und SS gehenkt”. So erzählt es denen, die innehalten, seit 2003 die dunkle Gedenktafel am Bahnbogen neben dem Bauzaun. Unter ihr, auf dem Bürgersteig, stehen einige Blumen, ein Gedenkfoto, liegen Steine.

Das Mahnmal für die Edelweißpiraten hat so keinen würdigen Rahmen, findet die SPD Ehrenfeld. Darum hat sie im September 2009 den Bezirksbürgermeister aufgefordert, die Situation zu ändern: “Leider wirkt das Erscheinungsbild des Ortes häufig derartig verwahrlost, dass weder Respekt vor der Würde der Opfer noch mahnende Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus glaubhaft vermittelt werden. Orte der ehrenden Erinnerung sehen anders aus – weltweit”, lautete ihre Begründung. Ein Argument, das offensichtlich saß, denn derzeit wird der offene Bahnbogen umgestaltet. Ron und John von Goodlack-Art verändern das triste, unauffällige Mauergrau derzeit so, dass künftig hoffentlich mehr Leute innehalten und erinnern.

Mahnmal für die Edelweißpiraten

Mahnmal für die Edelweißpiraten


Wandgemälde am Mahnmal

Wandgemälde am Mahnmal

Unterstützt wird die Aktion nicht nur von Politikern, sondern auch von Jean Jülich, der während des zweiten Weltkriegs Mitglied bei den Ehrenfelder Edelweißpiraten war und gegen die Nationalsozialisten Widerstand leistete. Außerdem hat der Musiker Rolly Brings einen Spendenaufruf gestartet. Es ist seine Grafik, die derzeit von Ron und John auf die Mauer übertragen wird, und die seit 27 Jahren das Logo für die jährlich stattfinde Mahn- und Gedenkfeier ist. Auch Miguel Freund, Mitglied der Synagogengemeinde Köln, der Historiker Jürgen Brock-Mildenberger und Andreas Pöttgen vom Kölner Bündnis gegen Rechtsextremismus und außerdem in der Ehrenfelder SPD aktiv sowie die Bürgerstiftung Ehrenfeld setzen sich für das Mahnmal ein. Da die Kosten für die derzeitigen Arbeiten bei rund 5.000 Euro liegen, sind Spenden auf dieses Konto willkommen: BürgerStiftung Ehrenfeld, Konto-Nummer: 1901966679, Sparkasse KölnBonn (Bankleitzahl: 370 501 98), Stichwort: Edelweißpiraten.

Bettina Blaß

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